24. November 1991 - Pedra Lume auf Sal
Pedra Lume machte auf mich den Eindruck eines Ortes vom Typ "am
Arsch der Welt". Von Espargos lief ich an diesem Morgen über die
kaum befahren Straße immer geradeaus durch eine trostlose Ebene
zur Westküste der Insel. Am Dorfeingang befand sich ein kleiner
Bolzplatz auf dem ein dutzend Jungs Fußball spielten (anscheinend
spielten alle Jungs in den Dörfern immer Fußball - was sollten sie
auch anderes machen?). Dahinter duckten sich in einer
schnurgeraden Zeile ein paar salzblasse Häuschen, die Unterkünfte
der Arbeiter von den zwei Salinen.
Gelesen habe ich, das in den Salinen noch immer Salz gewonnen
wird. Gesehen habe ich verwitterte Anlagen, schon fast idyllisch
anmutende Industrieruinen. Vorbei am zerfallenen Waagehaus bin
ich auf dem nördlich des Hafens liegenden Berg zu. Das braune,
vegitationslose Gestein hatte in mir eine trostlose Leere aufgetan, die
ich nur eingedenk meiner bevorstehenden Heimreise wieder zu
schließen vermochte. Auf dem Gipfel wehte recht ordentlich der
Nord-Ost-Passat. Die Aussicht war aber schon ganz gut und ich
verweilte einige Zeit, während der meine Wander- und Entdeckerlust
sich wieder einstellte. Ich lief dann hinunter zu dem Krater mit den
Salzflächen und auf dem Rand des Kraters entlang weiter in
Richtung Espargos. Verwunderlich waren die großen, hellgrün
bewachsenen Flächen direkt beim Salz wie überhaupt am ganzen
Kraterrand und an der Innenseite. Fern am Horizont entdeckte ich
Leute, die mit einer kleinen Herde Kühe unterwegs waren. Auch die
Kühe entsprachen nicht meinen Informationen über die karge Insel.
Demnach würden nur einige Schafe und Ziegen gehalten. Was die
Kühe hier zu fressen bekamen blieb mir allerdings ein Rätsel.
Nach dem rund fünfstündigen Ausflug duschte ich und kochte Tee
für eine weitere Wanderung am nächsten Tag. An diesem Abend ging
ich wieder ins hoteleigene Restaurant.
(c) Klaus Dieter Schley 2005 - 2010